Berkelspaziergang

NATURNAHER TIEFLANDFLUSS SCHREIBT KULTURGESCHICHTE

 

Die Berkel entspringt bei Billerbeck in den Baumbergen. Als kleiner Bach mäandert sie nach Coesfeld, wobei sie durch zahlreiche Zuflüsse schnell an Breite gewinnt. Nach dem Passieren von Gescher, Stadtlohn und Vreden übertritt sie bei Oldenkott die niederländische Grenze. Begradigt strömt sie vorbei an Eibergen, Haarlo, Borculo, Lochem, Almen und Warnsveld und mündet nach etwa 115 Kilometern in Zutphen in die Ijssel. Bis ins 19. Jahrhundert war die Berkel ein wichtiger Handelsweg: Stromabwärts wurden Sandstein, Quarzsand, Holz und Töpferwaren verschifft. Flussaufwärts wurde mit Gestein, Torf, Kacheln, Genever und Waren aus den niederländischen Kolonien gehandelt. Heutzutage steht die Berkel vor allem für grenzüberschreitenden Tourismus: wandern, Rad fahren oder auf niederländischer Seite mit dem Kajak paddeln – der kleine Tieflandfluss bietet große Abwechslung. Außerdem ist die ökologische Bedeutung der Berkel nicht hoch genug einzuschätzen: Die Berkelregion spielt eine große Rolle für den Wasserabfluss und Hochwasserschutz der Anliegergemeinden. Da der Flusslauf bis heute in weiten Abschnitten unbegradigt mäandert, kann der natürliche Talraum mit seinem typischen Ufersaum aus Weiden und Erlen im jahresverlauf mehrmals überflutet werden. Westlich von Vreden ist die Berkel begradigt und eingedeicht. Auch dieser Abschnitt soll langfristig wieder einen naturnäheren Charakter bekommen. Zwischen Vreden und Stadtlohn ist die Renaturierung der Berkelaue bereits abgeschlossen.

 

 

 

Entlang der gesamten Berkel fanden in den letzten Jahren Renaturierungsmaßnahmen statt. Seit 2004 ist sie groß teils als EU-Schutzgebiet ausgewiesen. Inzwischen stellen sich auch bemerkenswerte Erfolge ein. So ist z. B. in Gescher der Fischotter – eine Art der roten Liste – wieder nachgewiesen.

 

 

 

Die Berkelregion ist eine naturräumliche Einheit und ein Siedlungsgebiet, von dem stets starke Impulse für die Entwicklung im westlichen Münsterland ausgingen. Die Städte und Dörfer in der Berkelregion waren schon im Mittelalter eng miteinander vernetzt. Die Wasserverbindung sorgte dafür, dass die Menschen aus dem westlichen Münsterland zudem schon früh ein enges kulturelles und wirtschaftliches Beziehungsgeflecht mit den Bewohnern der alten Hansestädte der Niederlande aufbauten. Mit dem Erfolg der niederländischen Handelsstädte kam es auch zur wirtschaftlichen Blüte der deutschen Städte entlang der Berkel. Im 18. Jahrhundert erlangte der Fluss Bedeutung als schiffbarer Handelsweg von

 

Vreden bis Coesfeld und – besonders zu Beginn des 19. Jahrhunderts – auch von Vreden in die Niederlande, wo der Holzexport eine große Rolle spielte.